Ausrüstung Natur & Umwelt

Des Wanderers alte Kleider

Clothes the Loop - Recycling & Reuse

Das Problem kennt eigentlich jeder: Wohin mit ausrangierter, abgenutzter oder einfach nicht mehr benötigter Kleidung? Für die finale Entsorgung in der Wertstofftonne ist der Fleecepullover noch zu gut, hat aber ein Loch und ist daher für den Rot-Kreuz-Container auch nicht so geeignet. Das gute Stück im Keller versauern zu lassen, da im Schrank kein Platz mehr ist, muss auch nicht sein und ganz ehrlich, wirklich getragen wird er auch nicht mehr. Was also tun?

Wohin mit ausgemusterter Kleidung?

Beim Recherchieren und Grübeln über das Thema habe ich mir folgende Schritte überlegt, mit denen diese Frage angegangen werde könnte:

  1. Ist das Kleidungsstück noch funktionstüchtig und gut? Ja, dann freut sich vielleicht ein Seilpartner oder Trainingskumpane über das gute Stück und wird es noch tüchtig nutzen oder es lässt sich sogar noch gewinnbringend auf einem Gebrauchtmarkt veräußern.
  2. Gibt es Einschränkungen, die aber repariert werden können? Ja, dann ab damit zur Reparatur und wieder zurück in den Schrank oder zu Schritt Nummer Eins.
  3. Ist das gute Stück schon so verschlissen, dass nichts mehr zu retten ist und es eigentlich nur durch Sentimentalität, Erinnerungen und Schweiß zusammengehalten wird? Dann sollte der Weg nicht in den Mülleimer, sondern in eines der mittlerweile weit verbreiteten Recyclingprogramme führen.Was dahinter steckt und welche Vorteile es bietet, schauen wir uns jetzt genauer an.

Der Recyclingkreislauf

Bei dem Thema kommt man um das Unternehmen I:Collect nicht herum. Dies betreibt ein Recycling- und Wiederverwertungssystem und arbeitet mit namhaften Textilherstellern, aber auch einigen bekannten Marken aus der Outdoorbranche zusammen. Darunter z. B. Globetrotter, Mammut und The North Face, um nur Einige zu nennen.

Bei The North Face heißt das Programm Clothes the Loop und läuft schon seit Juli 2016 in Deutschland. In zwölf teilnehmenden Shops stehen Sammelbehälter für alle nicht mehr benötigten Kleidungsstücke und Schuhe bereit. Die gesammelten Textilien werden an eine I:Collect Sammelstelle geschickt, dort nach über 350 Kriterien sortiert und entweder als Second Hand Produkt weiterverwendet, recycelt und die Fasern für neue Textilien benutzt oder die Rohstoffe landen in anderen Produkten, z. B. als Isoliermaterial in Autos. Obendrein bekommt jeder, der die Sammelbox befüllt, einen Einkaufsgutschein und The North Face spendet die Erträge von Clothes the Loop an die EOCA, die European Outdoor Conservation Association. Eine Win-Win Situation für alle.

Aber schauen wir neben all der Theorie doch kurz in die Praxis.

Ist das wirklich alles so gut, wie es klingt?

Jein, ist wahrscheinlich die richtige Antwort. Wenn das Recyclingprogramm dazu führt, regelmäßig seine Ausrüstung auszutauschen und der Farbe der Saison anzupassen, dann eher nicht. Ziel ist es noch immer, die Umwelt möglichst wenig zu belasten. Das erreichen wir vor allem dadurch, indem wir die Sachen lange nutzen.

Ist etwas nur leicht verschliessen oder der Reißverschluss müsste getauscht werden, dann selbst ran an das Nähset oder ab zu Mutti, die was kann an der Nähmaschine oder der WornWear Tour von Patagonia einen Besuch abstatten, die kostenlos deine Sachen flicken.

All das, was bei I:Collect landet, ist zu einem großen Teil noch gut erhalten. Etwa die Hälfte* kann als Second Hand Ware weiter verwendet werden und geht direkt nach Afrika, Osteuropa, Asien, Amerika oder Second Hand Shops in Westeuropa.
Der Rest geht zum größten Teil als Dämmmaterial in die Autoindustrie. Recycelt und in neuen Kleidungsstücken wiederverwendet wird so gut wie nichts. Das Problem ist, dass recycelte Fasern teurer sind als Neue, meist von schlechterer Qualität und der logistische Aufwand unverhältnismäßig hoch. Der Umwelt ist damit nicht wirklich geholfen. Hinzu kommt ein großer Anteil an Chemiefasern, insbesondere in den wasserdichten Outdoorjacken. Unterschiedliche Kunststoffe müssen unterschiedlich recycelt werden und diese Aufgabe kann ein Unternehmen nicht leisten, dass sämtliche Marken und Arten von Kleidungsstücken verarbeitet.

Aber hier knüpfen einzelne Hersteller an. Vaude und Pyua z. B. bieten Recyclingprogramme für ihre eigenen Produkte. Da die Hersteller genau wissen, aus was die Kleidungsstücke bestehen und wie diese wieder aufbereitet werden können, ist es natürlich einfacher einen geschlossenen Recyclingkreislauf anzustreben. Vaude bietet zudem eine eigene Plattform für Second Hand Ware. Da dies natürlich markenbezogen ist, hilft es nur für einen Teil der Ausrüstung. Aber alles Andere kann wieder in einer Sammelbox bei Globetrotter, Mammut oder The North Face abgegeben werden.

Zusammenfassend ist es erfreulich, dass die letzte Tour der Outdoorkleidung nicht zwingend in die Restmülltonne führen muss, da es mehr und mehr anderweitige Lösungen gibt. Im Endeffekt liegt es aber vor allem beim Kunden, seinen Fußabdruck klein zu halten.

“Man sollte weniger kaufen und Dinge einfach wieder länger und intensiver nutzen, dann ist fast egal, aus was sie gemacht werden.”

Kai Nebel, Spezialist für Textile Verfahrenstechnik*

 

* Quelle: Die Zeit 17/2017: Recycling: Her mit den Lumpen 

Bildnachweis: Titelbild – The North Face, Sammelbox – Globetrotter.de

 

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