Natur & Umwelt

Fjellvettreglene

Touren vorausschauend planen und sicher unterwegs

Mehr und mehr Menschen verbringen ihre Freizeit in der Natur. Die Fjellvettreglene, frei übersetzt Bergvernunftsregeln, sollen dabei helfen tolle Touren zu planen und sicher durchzuführen.

Diese Regeln wurden zuallererst 1950, noch unter dem Namen Fjellreglene (Bergregeln), vom DNT, dem norwegischen Wanderverein, und dem Røde Kors, dem norwegischen Roten Kreuz, dass auch als Bergrettung fungiert, entworfen. Seit den 50er Jahren hat sich viel verändert. Daher wurden die Regeln, die mittlerweile zum norwegischen Kulturgut gehören, im Jahr 2016 komplett neu überarbeitet.

Vernünftig handeln in den Bergen bedeutet nicht nur zu wissen, was man darf und was man nicht darf. Es geht darum eine bewusste Beziehung zur Natur zu führen und die Handlungen und Entscheidungen die man trifft, bewusst zu fällen und sich über die Folgen im Klaren zu sein. Die Tour gut zu planen und Alternativen parat zu haben, gehört genauso dazu, wie das Verhalten der Gruppe im Gelände und auf veränderte Bedingungen sicher und überlegt zu reagieren. Vernünftig handeln in den Bergen heißt auch immer die Situationen und das Erlebte zu reflektieren, um so neue Erfahrungen zu sammeln, um auch in Zukunft weiterhin sicher unterwegs zu sein.

Die Regeln sind zwar angepasst an die skandinavische Berglandschaft, lassen sich aber fast eins zu eins auch in den Alpen anwenden.

#1 Plane deine Tour sorgfältig und informiere jemanden über deine Pläne

  • Berücksichtige bei der Planung stets die Fähigkeiten und Erfahrung der Gruppe und halte mehrere Alternativen parat.
  • Informiere dich gründlich über die Umgebung und die jeweiligen Verhältnisse. Beachte auch die Ratschläge erfahrener Bergsteiger, Wanderer und Einheimischer.
  • Achte darauf das notwendige Wissen und die Fertigkeiten zu beherschen, die du für die geplante Tour benötigst.
  • Nimm Rücksicht auf die Natur. Eine gute Planung hilft die Spuren die du hinterlässt zu minimieren.
  • Plane Absprachen im Vorfeld und vertraue nicht darauf, dass dein Telefon Empfang hat.

#2 Passe die Tour deinen Fähigkeiten und den vorherrschenden Bedingungen an

  • Bewerte und beurteile die Bedingungen fortlaufend und passe deine Pläne entsprechend an.
  • Berücksichtige und respektiere das Wetter! Nimm das Wetter und Wettermeldungen ernst.
  • Zusammen mit anderen auf Tour zu sein erhöht die Sicherheit und Erlebnisse zu teilen, macht diese noch schöner. Wenn du alleine unterwegs bist, sei besonders vorsichtig.
  • Starte nicht unvorbereitet und ohne Erfahrung auf lange Touren. Du musst jederzeit in der Lage sein, dir selbst und anderen Mitgliedern deiner Gruppe helfen zu können.
  • Nimm Rücksicht auf andere Wanderer. Kenne das Jedermannsrecht und die dazugehörigen Pflichten.
  • Achte und sorge für eine offene und direkte Kommunikationskultur in deiner Gruppe.

#3 Berücksichtige die Wetter- und Lawinenvorhersage

  • Benutze und checke  immer die Wetter- und Lawinenvorhersage und überlege, was diese Vorhersagen für dich, deine Tour und insbesondere das Gelände in dem dich dich bewegst bedeuten.
  • Folge den Ratschlägen bezüglich der Wetter- und Lawinenvorhersagen und wähle eine einfachere Tour, leichteres Gelände, wenn die Bedingungen zu anspruchsvoll sind.
  • Bergwettervorhersagen findest du hier:

#4 Sei vorbereitet auf schlechtes Wetter und Kälte, selbst auf kurzen Touren

  • Kleide dich entsprechend des Wetters und der Bedingungen.
  • Denke daran, dass sich das Wetter in den Bergen schnell ändern kann. Packe immer Wechselwäsche mit ein und die passende  Ausrüstung für die Tour und das Gelände.
  • Zusätzliche Verpflegung und Getränke können nicht nur dir, auch anderen helfen, falls die Tour länger dauert als geplant oder du im Notfall auf Hilfe warten musst.

#5 Packe Ausrüstung für den Notfall ein, um Dir selbst und anderen helfen zu können

  • Zur Wintertour gehören Windsack, Unterlage, Schlafsack und eine Schneeschaufel ins Gepäck, um eine Nacht im Freien zu überstehen. Ein Windsack kann lebensrettend sein.
  • Nimm eine Stirnlampe und etwas Reflektierendes mit, um im Nottfall leichter auf dich aufmerksam machen zu können, bzw. um leichter gefunden zu werden.
  • Ein Erste-Hilfe-Set gehört immer ins Gepäck um dich selbst und andere versorgen zu können.
  • Sobald die Tour durch lawinengefährdetes Gelände führt, gehören LVS (Lawinenverschüttetensuchgerät), Sonde und Schneeschaufel zur Grundausstattung. Auch der Umgang damit muss beherrscht werden.
  • Packe sinnvoll! Packlisten findest du beim DNT oder DAV.
  • Ein Mobiltelefon kann sehr nützlich sein. Aber beachte, dass du es nicht in allen Situationen und Gegenden einsetzen kannst.
  • Im Falles eines Unfalls informiere über 112 (per Mobiltelefon in allen europäischen Ländern) die Polizei bzw. Bergwacht oder versuche auf anderen Wegen Hilfe zu holen.

#6 Wähle sichere Wege und meide lawinengefährdetes Gelände und unsicheres Eis

  • Eine bewusste und gute Routenwahl ist der wichtigste Schritt um Lawinen zu vermeiden.
  • Auch im flachen Gelände ist Vorsicht geboten, da sich Lawinen in steileren Hängen darüber lösen können.
  • Vermeide gefährliche Engpässe wie Rinnen und Mulden. Mach dir Gedanken darüber, was passiert wenn sich eine Lawine löst.
  • Achte auf Wechten und Schneeverwehungen, insbesondere auf Bergrücken.
  • Achte aufmerksam auf das Eis, insbesondere bei Ab- und Zuflüssen.

#7 Beherrsche und nutze Karte und Kompass und kenne jederzeit deine Position

  • Nutze Karte und Kompass, diese funktionieren jederzeit.
  • Verfolge deinen Standort auf der Karte, auch wenn du einer markierten Route folgst.
  • Das Erlebnis auf Tour wird ebenfalls größer, wenn du deine Tour auf der Karte verfolgst.
  • GPS-Geräte und andere elektronische Hilfsmittel sind sehr nützlig, vergiss aber nicht zusätzliche Batterien und Akkus einzupacken.

#8 Kehre rechtzeitig um, es ist keine Schande zurückzugehen

  • Bewerte und beurteile deine Pläne fortlaufend und wähle Plan B lieber rechtzeitig, bevor du zu sehr erschöpft bist.
  • Haben sich die Verhältnisse zwischenzeitlich geändert? Solltest du umkehren?
  • Hat jemand Probleme die Tour zu bewältigen, auch in Folge veränderter Umstände? Sollte die Gruppe umkehren?

#9 Spare Deine Kräfte und suche Schutz, wenn nötig

  • Passe die Geschwindigkeit an das langsamste Gruppenmitglied an und achte darauf niemanden zu verlieren.
  • Vergiss nicht zwichendurch zu essen und viel zu trinken. Gerade bei anstrengenden Tätigkeiten braucht dein Körper mehr Wasser, als du glaubst zu brauchen.
  • Suche Schutz nicht erst wenn du bereits stark erschöpft bist. Gerade starker Wind zehrt zusätzlich an den Kräften.
  • Nutze einen Windsack/Biwaksack oder grabe dich rechtzeitig im Schnee ein.

Zusätzliche Infos:

Die Fjellvettreglene im Original findet ihr hier!

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